Barrierefreiheit ist kein Verkaufsschlager

15. April 2014, 16:42

Das Handwerk tut sich schwer mit dem Thema Barrierefreiheit, berichtet Mathias Thiel vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Zwar versuchten viele SHK-Betriebe, älteren Kunden Lösungen anzubieten, die auf deren veränderte Bedürfnisse berücksichtigen, aber dabei mangele es oft an der richtigen Ansprache. „Man darf ein Bad nicht als barrierefrei verkaufen. Man muss es als Komfortbad verkaufen – ein Bad, dass den Mietern oder Wohnungsinhabern ein möglichst langes, komfortables und eigenständiges Wohnen ermöglicht“, so Thiel.

Diesen Ansatz verfolgt auch Eckhard Feddersen. Der Berliner Architekt plant und baut bereits seit 1973 Wohnungen für alte Menschen und vertritt das sogenannte Universal Design. Dieses ist in den USA entstanden und propagiert eine Formgebung von Alltagsgegenständen und eine Umweltgestaltung, die für  jedermann nutzbar ist. Danach sollten die Bäder in Wohnungsneubauten von Anfang an so angelegt sein, dass sie auch für alte und gebrechliche Menschen gut nutzbar sind. Dazu gehört beispielsweise, dass der Waschtisch unterfahrbar ist, was eine gewisse Größe voraussetzt. „Allerdings meint Universal Design nicht die standardisierte und für Jedermann passende endgültige Lösung“, stellt Feddersen klar. Vielmehr gehe es darum, vorausschauend zu bauen und spätere Anpassungen möglich zu machen. So sollte man bei der Planung von Trockenbaubädern im Neubau von vornherein daran denken, bestimmte Punkte an der Wand mit einem Brett zu verstärken, damit dort im Fall der Fälle später ein Haltegriff angebracht werden kann. „Das verursacht kaum Kosten, muss aber bedacht werden“, so Feddersen. Für das Konzept des Universal Design spricht die Tatsache, dass Bäder langfristige Investitionen sind. In der Regel muss ein Bad 20 bis 25 Jahre halten.

Die Empfehlungen und Vorschriften der Normen DIN 18024 und 18025 für barrierefreie Bäder hält Feddersen für überzogen. „Die DIN legt die Messlatte so hoch, dass Wohnungsbaugesellschaften vor Schritten in Richtung Abbau von Barrieren zurückschrecken“, sagt er und appelliert an die Unternehmen, sich nicht nur an den DIN-Normen zu orientieren, sondern einfach zu tun, was praktisch ist. Eine kleine Schwelle im Duschbereich sei für alte Menschen immer noch leichter zu überwinden, als ein Badewannenrand. Wenn also das Absenken einer Decke für einen stufenlos begehbaren Duschplatz aufgrund der erforderlichen statischen Eingriffe zu teuer würde, sollte das eine Wohnungsbaugesellschaft nicht davon abhalten, eine Dusche mit einer kleinen Kante einzubauen.

„Die DIN geht von behinderten Menschen oder alten Menschen aus, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Das entspricht aber nicht der Lebensrealität der meisten alten Menschen“, nennt Feddersen den Grund dafür, dass die Norm seiner Meinung nach über das Ziel hinausschießt. Nur ein sehr geringer Teil der alten Menschen sitze im Rollstuhl. Die große Mehrheit könne noch laufen und nutze allenfalls einen Rollator als Hilfsmittel. sth

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